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Nadine goes 4cross

So! Da hat es mich gepackt. Das 4cross Fieber. Durch meine Kamera völlig fasziniert von diesem Sport, hab ich mich Ende letzter Saison dazu entschlossen das mit dem 4cross mal zu probieren. Aber mit 33 nochmal was Neues anfangen? Trainieren mit Kindern und Jugendlichen? Selbst die Trainer sind gute 10 Jahre jünger als ich. Ein bisschen komisch ist das ja schon. Ich könnte mich da schon eher in die Reihen der Eltern einreihen. Aber warum denn nicht mal was Neues probieren? 


Da war sie also gekommen, die Saison 2018. Den ganzen Winter hatte ich mich darauf gefreut, habe mich im Fitnessstudio so gut es ging fit gehalten und vorbereitet. Aufs Bike schaffte ich es leider erst wieder im März, was mich fahrtechnisch quasi wieder zurück auf null warf. Ein hartes Stück Arbeit lag vor mir. Mein Kopf machte dabei die meisten Probleme. Plötzlich traute ich mich Dinge nicht mehr, die ich im Jahr zuvor gefahren bin. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten wurde es dann aber wieder besser.

 

Auch zeitlich hatte ich etwas Probleme das Biken und Trainieren in meinen Alltag zu integrieren. Mit Partner, Haus, Haushalt und Job doch nicht so leicht wie ich mir das Ganze vorgestellt hatte.

 

Und dann auch noch das. Bei einem Besuch im Bikepark Brandnertal musste ich mal wieder beweisen, dass ich Bruchpilotin Nr. 1 bin. Eigentlich lief es an dem Tag echt super. Wir Mädls hatten richtig Spaß. Ich weiß bis heute noch nicht warum, aber irgendwie hatte ich einen kleinen (wirklich kleinen) Sprung total unterschätzt und er katapultierte mein Hinterrad so raus, dass ich mich einmal überschlug. Der Aufprall war so hart, dass der Tag für mich erst einmal gelaufen war. Gott sei Dank keine Brüche. Nur Kopfschmerzen, Prellungen, blaue Flecken und Schürfwunden. Aber die nächsten drei Wochen war erstmal kein Fahrradfahren mehr drin (mit Ü30 erholt man sich etwas langsamer).

 

Nach den drei Wochen wollte ich unbedingt so schnell wie möglich wieder aufs Rad. Doch die Blockade war da, mehr als zuvor. Sehr deutlich bekam ich zu spüren, dass ich keine 20 mehr bin und mein Kopf einfach anders tickt. Diese Angst. Ich traute mich kaum noch was, stieg auf den Trails ab und schob lieber. Selbst meine beste Bikefreundin konnte mich nicht richtig motivieren. Und das alles ein paar Wochen vor dem ersten Rennen. Na toll!

 

Also zurück zu dem was ich besser kann und wovor ich keine Angst hatte. Pumptrack!!! Langsam kam etwas Sicherheit zurück und der Spaß! Den hatte ich nämlich irgendwo verloren.

 

Eine Woche vor dem ersten Rennen wagte ich mich dann auf meiner Heimatstrecke in Steinweiler wieder auf eine 4cross bzw. Dual Strecke. Mit viel Wackelpudding in den Beinen überlebte ich die Kurven und Wellen und fühlte mich mal so gar nicht bereit für ein Rennen. Aber statt mir wieder in die Hosen zu machen, dachte ich mir „Was solls, rollst halt a bissel mit. Hauptsache du kommst heile ins Ziel“.

 

Und so ging ich mit keinerlei Erwartungen in mein erstes Rennen. Bis einen Tag vor dem Rennen war ich völlig tiefenentspannt. Ich fands eigentlich ziemlich lustig so unvorbereitet zu sein. Wer mich kennt weiß, dass das mal so gar nicht mein Stil ist. Okay am Renntag war ich dann schon aufgeregt. Ich wusste ja gar nicht was auf mich zukommt. Gott sei Dank hatte ich meinen Mann dabei, der war noch weniger auf ein Rennen vorbereitet. Aber nur am Rand stehen wollte er auch nicht. Also lieh er sich das 4cross Bike meines Bruders und meldete sich an. Das war also unser Plan fürs Rennen. Zwei völlig unvorbereitete Fahrer die von nichts einen Plan hatten! Das kann ja nur lustig werden...

 

Im Nachhinein war das vielleicht gar nicht so schlecht. Ohne Erwartung, ohne Druck ging ich an den Start. Komischerweise hatte ich keine Angst und rollte einfach mit. Das wir in der Kategorie Ladies nur zu zweit starteten, war Glück für mich. So konnte ich mich auf meine Linie konzentrieren und Heile ins Ziel fahren. Nur das mit dem Gaten klappte noch nicht so wirklich.

Von meiner Gegnerin, Nina, sah ich zwar immer nur das Hinterrad, aber spaßig wars trotzdem und vor allem entspannt. Platz 2 auf dem Podium hätte ich mir selbst mit Vorbereitung kaum vorstellen können. Umso lustiger wars dann für mich aufs Treppchen zu steigen.

 

Mit Pokal einem breiten Grinsen und viel Motivation ging ich an diesem Tag nach Hause und freute mich schon aufs nächste Rennen mit dem Vorsatz: "Einfach mit rollen und heile ins Ziel fahren". Denn das Schönste an diesem Tag war für mich mit Nina am Ende der Strecke abzuklatschen und Spaß gehabt zu haben!

 

An dieser Stelle danke nochmal an Nina, dass du dich erbarmt hast mit mir in der Ladies Kategorie zu starten. Und natürlich vielen Dank an die fleißigen Unterstützer am Streckenrand alias "Trappen Nadine!", die Organisatoren und dem Mann am Gate für die kleine Starthilfe ;-)

Bilder: https://www.trixpics.ch/ Thanks!!!